Streichmusik Geschwister Küng

Konzertbericht

Sommerkonzert mit der Appenzeller Streichmusik Geschwister Küng

Volksmusik, ein Titel, der normalerweise mit Vorsicht zu geniessen ist, und „nüdallgraduus“ (nicht immer geradeaus)? Volksmusik, das ist doch: „zwei links, zwei rechts“, und „Brissago“ und sicher alles „graduus und „marsch!“...

Die Musik, die uns in der Kirche Maisprach empfangen hat, war aber ganz anders: Zu Beginn ein magischer Klangteppich aus feinen Streichertönen, aus dem sich mit leisen Hackbrettschlägen ein Rhythmus entwickelt, der alle Zuhörer gefangen nimmt. Bald lässt sich ein Walzer erkennen, ein Dreitakt, bei dem man sich daheim fühlt. Doch bald entgleitet einem das Gewohnte und die Musik versinkt in einem breiten Moll-Teil, welcher alle Zuhörer zutiefst berührt. Ein Schottisch, eingeleitet durch bezwingende Schläge des Hackbretts, scheint sich in der gewohnten, geraden Bahn zu entwickeln, doch bald verschieben sich die rhythmischen Schwerpunkte und die Klänge perlen wie ein Wildbach durch ein wildes Bachbett, hüpfen und springen, finden aber immer wieder zurück und lassen den Zuhörer Atem holen. «Rauschen an der Sitter» (E. Walser, arr. A. Küng) beginnt mit einem eindrücklichen Bass-Solo, führt mit einem musikalischen Stimmungsbild zum bekannten Walzer, ein mächtiger Moll-Teil – wohl einer der wenigen Momente, wo die Musik in der Kirche richtig laut wurde – mündet wieder im musikalisches Rauschen der Sitter (Fluss im Appenzellerland). Jedes Instrument kommt zum Zug und trägt zur Vollkommenheit des Bildes bei, vom Vogelgezwitscher bis zum Grollen der Steine am Grunde des Baches.

Mit einem Csárdás verabschiedeten sich die Geschwister Küng von den Konzertbesuchern und Konzertbesucherinnen und eröffneten damit gleich ein neues Kapitel Musik, welches Appetit auf mehr machte, mehr von diesen Klängen zu hören, die so wunderbare Bilder malen können.

Albrecht Sieber