Männerstimmen - Viviane Nüscheler

Konzertbericht

Männerstimmen – Männerchor? Ja, Männerchor! Denn schliesslich sind die Sänger den Kinder- und Jugendchören, oder der Knabenkantorei Basel entwachsen. Doch alles Verstaubte, das diesem Begriff anhaftet, haben diese jungen Männer abgeschüttelt, obschon ihre Knickerbocker-Hosen, Hosenträger und Kniestrümpfe optisch etwas Anderes vermuten lassen. Die ersten Töne (Haec est vera fraterniras – Handl) verraten, dass hier eine neue Kategorie Chor am Werk ist. Jedes Register tönt wie eine Stimme und jede Solostimme füllt die ganze Kirche. Oliver Rudin führt seinen Chor, wie wenn er ein Instrument spielen würde. Ein Instrument, mit dem er in den Zuhörerinnen und Zuhörern wunderbare Bilder entstehen lassen kann. In «Muistse mere laulus» (Tormis-Lettland) malen die Bässe eine unruhige See, ein Sturm baut sich auf, Seevögel schreien, darüber die Oberstimmen, zuerst zuversichtlich, dann verzweifelt...

 

Das Repertoire des Chores erstreckt sich über alle Stilrichtungen und über alle Kontinente. Sowohl «Zikr», ein Stück indischer Musik, begleitet mit Sitar, Trommel und Schelle, welches den weiten Tonumfang des Chores voll zur Geltung bringt, wie auch Volkslieder («Hab oft im Kreise der...»), Psalm und «Pseudo-Yolk», werden stilgerecht, mit grosser Konzentration, trotzdem aber locker und leidenschaftlich vorgetragen.

 

So wie Oliver Rudin «auf seinem Chor spielt» lässt Viviane Nüscheler die Saiten ihrer grossen Konzertharfe klingen, einzeln, ganz zart, und gemeinsam zum Fortissimo. Die Titel der Stücke verraten den Stil: «Au Matin», «Elegie» und «Baroque Flamenco». Dass auf einer Harfe ein temperamentvoller Flamenco mit Klatschen und Trommeln zum Klingen gebracht werden kann, hat dem zahlreichen Publikum besonders gefallen.

 

Der Schlussapplaus nach den Zugaben brachte das Publikum zum Aufstehen, was Oliver Rudin ausnützte, um mit allen Anwesenden das wohlbekannte Lied «Bajazzo» zu singen. Ein gelungener Abend, welcher ein neues Männerchorbild aufzeigt und die Hoffnung für eine neue Generation Sänger weckt!

 

Albrecht Sieber