Pflanzplätz

Sissacher Volksstimme vom 30.8.2016

Konzertbericht von Jürg Gohl

Die Vielfalt der Volksmusik
Maisprach  l   Rassiges Sommerkonzert mit "Pflanzplätz"

Als Anfang Jahr an gleicher Stelle die jubilierende Oberbaselbieter Ländlerkapelle aufgespielt hatte, musste das Konzert in der Dorfkirche von Maisprach doppelt geführt werden, weil das Gotteshaus nicht alle Zuhörer fassen konnte. Am Sonntag hingegen hätte es am traditionellen Sommerkonzert, dieses Mal mit "Pflanzplätz", noch mehr Zuhörer ertragen und vor allem verdient. Denn - um den Vergleich noch einmal zu bemühen - die Oberbaselbieter Formation um Klarinettist Urs Mangold ist der Ländlermusik aus dem Reinheft verbunden, den "Pfanzplätz" hingegen dient der Ländler lediglich als Ausgangspunkt musikalischer Ausschweifungen.

Das Schwyzerörgeli dominiert akustisch. Es wird vom Hölsteiner Simon Dettwiler, ein Meister seines Fachs, und vom Komponisten und Bandleader Thomas Aeschbacher gespielt, die beide am Sonntag um sich ein Dutzend Örgeli mit unterschiedlichen Klangfarben gruppiert hatten. Doch allein schon der Einsatz des Basses, der von Jürg Nietlisbach virtuos gzupft wird und alles andere als ein Dreiton-Begleitinstrument ist, zeigt, dass das experimentierfreudige Trio, das sich mit Geiger Andy Gabriel verstärkt hat, ein weit breiteres Spektrum abdeckt: mal Tango, mal Walzer, viel Jazz, da Boggie, hier Volkslied und immer wieder Ländler. Kommt hinzu, dass die vier Musiker immer wieder in neuen Formationen als Duo oder Trio aufspielen, und einmal klingt ein Stück sogar in einem A-capella-Gesang aus. Langeweile kann so nie aufkommen.

"Darum geht es mir in meinen Konzerten: den Wert und die Breite der Volksmusik aufzuzeigen", sagt die nimmermüde Veranstalterin Margrit Thommen. Ihr nächstes Beispiel: Der Eptinger Mundart-Barde Florian Schneider mit Geiger Adam Taubitz am 8. Januar.

 

 

Konzertbericht von A. Sieber

Das bekannte Trio mit Simon Dettwiler (Schwyzerörgeli), Thomas Aeschbacher (Schwyzerörgeli, Langnauerli, Cajon, Gitarre) und Jürg Nietlisbach (Kontrabass, Trumpy, Gitarre) hatte als Gast den Geiger Andy Gabriel mitgebracht. Die Kirche Maisprach heisst die Besucher mit angenehmer Kühle willkommen. Dreizehn (!) Örgeli und Orgeln, drei Geigen (jede anders gestimmt), zwei Gitarren und ein Kontrabass stehen bereit und machen die Anwesenden neugierig auf das Kommende. Die ersten drei Stücke, Eigenkompositionen mit vielen eingebauten Erinnerungen der Musikanten, legen einen angenehmen meditativen Klangteppich in die Kirche, nur sehr diskret heben sich die einzelnen Instrumente daraus hervor. Das ändert sich rasch, wenn die Gruppe in der gewohnten Trioformation oder als Duo spielt. Im fünften Stück kommt auch der Geiger zum ersten Mal voll zum Zug und brilliert mit einem Intro zum Rästli-Schottisch. Die Geige kommt auch dann zum Tragen, wenn die Begleiter zum «Landauerli» greifen, einem Örgeli, das sich auch ganz fein spielen lässt. Die Musikanten drücken jedem Stück, unabhängig seiner geografischen Herkunft, ihren eigen typischen Stempel auf und reissen mit ihrer Spielfreude die Zuhörer mit. Aus der der traditionellen Ländlermusik-Gruppe ist eine Gruppe mit ganz eigenem Stil geworden. Jeder Musikant bringt seine ganze Persönlichkeit in der Musik zum Ausdruck. Die musikalische Kommunikation zwischen den Musikanten schlägt so bald zu den Zuschauern über und bezieht sie mit ein, in ein entspanntes musikalisches Erlebnis, mithören tritt an Stelle des Zuhörens.

Wir freuen uns schon jetzt auf die nächsten Konzerte in der Kirche Maisprach am 8. Jamuar 2017 mit Mundart-Liedern von Florian Schneider, und am 27. August 2017 das Sommerkonzert mit dem Erneuerer der Schweizer Volksmusik: Noldi Alder und Co. aus      Urnäsch AR